Roma in Serbien: Säcke voller Plastikflaschen: Ganze Familien ernähren sich vom Sammeln.
Tausende Migranten vom Balkan kommen derzeit nach Deutschland und
weitere EU-Länder, um dort Asylanträge zu stellen, in der Regel Roma und
Angehörige anderer Minderheiten. Dies geht aus einem internen Bericht
des Bundesinnenministeriums hervor, welcher der „Süddeutschen Zeitung“
vorliegt. Demnach verzeichnen die Behörden derzeit eine „massive
Steigerung“ der Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien.
Während im Juli 2011 knapp 190 Anträge einliefen, waren es im Oktober
bereits gut 1200, Tendenz steigend. Allein in der ersten Novemberwoche
seien fast 430 Anträge hinzugekommen, heißt es aus Behördenkreisen. Die
Serben bilden damit erstmals wieder die größte Gruppe der Bewerber, noch
vor Afghanen oder Irakern, so wie schon im vergangenen Herbst. Die
Asylbehörden beklagen einen massiven Missbrauch der Visafreiheit, die
Ende 2009 für diese Länder eingeführt wurde. Denn die Migranten haben
kaum Chancen auf Asyl, nur jeder 200. Bewerber wird als Flüchtling
anerkannt.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte auf Anfrage, die
Anträge seien „durch die Bank ohne Aussicht auf Erfolg, und die
Durchführung der Verfahren kostet sehr viel Geld“. Der Asylantrag wird
offenbar als Möglichkeit gesehen, einzuwandern, oder wenigstens zu
überwintern. Viele Roma sind in diesen Ländern obdachlos oder leben in
maroden Unterkünften. Viele lebten in Armut, sagt Nina Szogs,
Europa-Expertin bei Amnesty International. Sie litten „keine politische
Verfolgung, aber sie werden umfassend und massiv diskriminiert, etwa bei
der Suche nach Arbeit oder Wohnungen“, sagt Szogs.
Doch Diskriminierung ist kein gesetzlicher Asylgrund. Mittlerweile
drohen mehrere EU-Länder damit, die Visapflicht wieder einzuführen. „Ich
appelliere dringend an die Regierungen der betroffenen Länder, wirksame
Maßnahmen zu ergreifen, um diese Entwicklung zu stoppen. Andernfalls
steht letztlich auch die Visumfreiheit insgesamt auf dem Spiel“, sagte
Innenminister Friedrich der Zeitung. Auf dem Treffen der
EU-Innenminister Ende Oktober hatten auch Belgien und Luxemburg die
Zuwanderer thematisiert, auch dort sind die Zahlen stark gestiegen.
Serbiens Regierung reagiert auf die Vorwürfe dem Bericht zufolge mit der
Aufforderung an die EU-Länder, die Menschen eben zurückzuschicken. Das
aber geschieht oft nicht: Vergangenes Jahr kehrten von den rund 6.800
serbischen Asylbewerbern in Deutschland nur knapp 2.300, freiwillig oder
zwangsweise, zurück.
Quelle: Tausende Migranten vom Balkan beantragen Asyl in Deutschland
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Duisburg bekommt Roma-Problem nicht in den Griff
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